
Jedes Kind und wohl auch die Mehrzahl der Touristen in Schleswig-Holstein weiß, was ein Knick ist. Dass aber die Bezeichnung "Knick" ursprünglich mit dem heute noch gebräuchlichen Verb "knicken" (im Sinne von "umbiegen") zu tun hat, das wissen außer Heimatkundlern vermutlich nur noch einige alte Landwirte. Diese Webseite beschreibt kurz die ursprüngliche Vorgehensweise des "Knickens" und stellt anschließend eine Pflegeaktion vor, bei der ein Knick auf diese traditionelle Art behandelt wurde - möglicherweise der erste Knick, der in Norddeutschland seit einem halben Jahrhundert oder mehr geknickt wurde.1
Vor der Erfindung von Stacheldraht und Elektrozaun wurden die Knicks bei der regelmäßig wiederkehrenden Pflege nicht - wie heute üblich - einfach auf den Stock gesetzt (d.h. bodennah abgeschnitten, damit sie neu ausschlagen), sondern Büsche und kleinere Bäume wurden an der Basis lediglich angeschnitten und dann vorsichtig umgeknickt, so dass diese weiterlebten. Hierdurch ergab sich auf dem Knickwall ein dichtes Geflecht von geknickten und nachwachsenden Trieben, das für das Vieh undurchdringbar war und so eine natürliche Einzäunung der Weide ermöglichte.
Um die senkrechten Triebe der Büsche und dünne Stämme kleinerer Bäume zu knicken, werden diese auf einer Seite mit einer Hippe oder Axt von schräg oben nach unten bis wenige Zentimeter über den Boden angeschnitten (Abb. 1a) und anschließend auf die gegenüberliegende Seite gebogen (Abb. 1b). Dieser Anschnitt des Stammes muss ausreichend lang und die verbleibende Verbindung ausreichend dünn und damit flexibel sein, so dass der Stamm beim Umbiegen nicht abbricht und die Rinde der verbleibenden Verbindung nicht scharf geknickt oder gequetscht wird, sondern intakt bleibt. Denn lediglich über diese Verbindung mit der Wurzel wird der gesamte gelegte Trieb später am Leben erhalten. Der stehengebliebene Keil wird abschließend mit der Säge (oder bei genügend Übung auch durch einen kräftigen Schlag mit der Hippe) entfernt (Abb. 1c). Um eine lebende Einzäunung zu erhalten, arbeitet man von einem Ende des Knicks zum anderen und legt die geknickten Triebe einen nach dem anderen in die Richtung, aus der man sich vorgearbeitet hat, also stets von den noch stehenden Trieben weg. Dieses Vorgehen wird auch auf den Bildern der im Folgenden vorgestellten Pflegeaktion ersichtlich (Abb. 3 und 4).

Auf diese traditionelle Art knickte ich mit tatkräftiger Unterstützung von Otto Bies, dem Vorsitzenden der NABU-Ortsgruppe Schenefeld, Anfang März 2007 einen Knick von ca. 100 m Länge. Der Knick verläuft in West-Ost-Richtung zwischen einer Pferdeweide und einem nicht-asphaltierten Feldweg und befindet sich unter einer Hochspannungsleitung (Abb. 2). Daher wurde der Knick in der Vergangenheit durch das zuständige Energieunternehmen regelmäßig auf den Stock gesetzt, zuletzt vor ca. 12 Jahren, so dass die Triebe einen für das Knicken optimalen Durchmesser hatten. Der Knick ist mit Ahorn, Birke, Buche, Eiche, Faulbaum, Hainbuche, Hasel, Holunder (der sich wegen seiner brüchigen, hohlen Triebe nicht zum Knicken eignet und einfach auf den Stock gesetzt wurde), Pfaffenhütchen, Schlehe, Schneeball, Schwarzerle, Traubenkirsche, Vogelbeere, Vogelkirsche, diversen Weiden und Weißdorn bestanden. Er ist also im Vergleich zu den meisten anderen Knicks in der Region, die zunehmend mit dem Schlegel zu schmalen Hecken degradiert werden, sehr artenreich.

Nach dem mühevollen Entfernen eines alten Wildschutzzauns, der mitten auf dem Knickwall stand und z.T. eingewachsen war, konnte es mit dem Knicken endlich losgehen. Aufgrund der für die meiste Zeit des Jahres vorherrschenden westlichen Windrichtung wurde der Knick vom östlichen Ende beginnend, die Triebe nach Osten legend bearbeitet (Abb. 3). (Ein weiterer für die Wahl der Legerichtung relevanter Faktor, die Richtung des Gefälles bei Hanglagen, konnte bei diesem Knick vernachlässigt werden.)

Zum Lernvorgang gehörte nicht nur das Sammeln von Erfahrungen mit dem richtigen Anschneiden der Basis, sondern auch das Auswählen, welche Stämme gelegt und welche auf den Stock gesetzt werden sollen. Da der Knick in der Vergangenheit leider nicht wirklich immer bodennah auf den Stock gesetzt worden war, entwuchsen die Stämme z.T. aus den oberen Teilen höherer Stubben. Solche Stämme mit zu hohem Ansatz habe ich nicht gelegt, sondern möglichst tief auf den Stock gesetzt, damit wieder bodennaher Stockaustrieb nachwächst und der Knick sich langfristig gut verzweigt. Trotzdem blieben genug Stämme zum Legen (Abb. 4).

Schon im ersten Frühling nach dem Knicken präsentiert sich der Knick als dichtes Grün (Abb. 5 und 6). Nahezu alle gelegten Triebe sind ausgetrieben und vital.2


Schon nach dem ersten Sommer hat der Knick einen erfreulichen Aufwuchs (Abb. 7), wobei zu den gelegten Stämmen noch in ungefähr gleichen Teilen neue senkrechte Triebe aus den gelegten Stämmen und der Stockausschlag dazu gekommen sind (Abb.8).


Bezüglich der gesamten Menge der Phytomasse ist dieser Knick am Ende des ersten Sommers vergleichbar mit einem einfach auf den Stock gesetzten Knick aus dieser Region und auf ähnlichem Boden nach ungefähr dem dritten oder vierten Aufwuchsjahr. Jedoch weist dieser Knick durch die gelegten Triebe eine ganz andere, stärker horizontal orientierte und viel dichter verwobene Struktur auf, was hoffentlich nicht nur Brutvögel als Bereicherung ihres Lebensraumes schätzen. Neben diesem Beitrag zur Habitatvielfalt war es vor allem auch die Neugier, eine alte Kulturtechnik auszuprobieren, die zu diesem Projekt geführt hat und ihren Spaß ausgemacht hat.
J. Golz, Pöschendorf im November 2007.
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